Mit Überraschung reagiere ich auf die Überraschung zum Radsportdoping. War nicht immer klar, daß im Radsport, wie in anderen Sportarten auch, gedopt wird? Es war doch wohl eher die mangelnde Nachweisbarkeit, die noch Siege mit Doping zuließ. Man muß sich doch nicht wundern, wenn die Beine dreimal den normalen Umfang haben, oder? Was für eine Überraschung!
Wenn man also weiß, daß im Leistungssport systematisch gedopt wird (Laufen, Schwimmen, Radsport,…), was ist an dem Sport noch interessant? Was war je am Wettkampfsport interessant? Einer gewinnt, die anderen verlieren. Mir ist nicht klar, was daran interessant sein soll. Würde es Sie persönlich überraschen, wenn im Fußball systematisch gedopt würde? Haben Sie mal versucht, 90 Minuten in der Geschwindigkeit kreuz und quer über den Platz zu sprinten ohne Dopingmittel? Ich halte den Leistungs- und Wettkampfsport von heute für durch und durch lächerlich.
Dabei geht es mir nicht um den privaten Sportler, der etwas für sich tun möchte, Rennrad fährt oder Spaß am Volleyball hat. Aber wie klein ist der Schritt vom Vereinssport, der Entdeckung von Fähigkeiten, bis an die Blutdopingmaschine? Junge Menschen werden gelockt mit Geld, Anerkennung und Versprechungen und vom moderenen Sportsystem systematisch an die Nadel gebracht. Und verantwortlich sind natürlich alle: Presse, Ärzte, Begleiter, Trainer, Sponsoren. Wie zynisch wenn der Telekom-Verantwortliche dann äußert, natürlich hätte keiner beim Konzern um Doping des Teams-Telekom gebeten. Hätte die Telekom ein Team unterstützt, was ohne Doping auf Platz 125 gelandet wäre? Lächerlich! Solch ein Zynismus ist eine Ohrfeige für die gesponsorten Radfahrer und zeigt nur einmal mehr, worum es allein geht: um Geld.
Und trotzdem ist eine Generalamnestie für die Sportler, die sich zum Doping bekennen, sicher keine Abschreckung und würde in Sportlerkreisen sicher eher als Erlaubnis für weiteres Doping verstanden werden.
Nur weiter so Leistungssport – durchseucht doch den gesamten Sport mit Doping. So wird es sicher ganz interessant in Zukunft und keiner wird mehr zuschauen.

Kommt vermutlich ohne Doping aus: Radsportler am Niederrhein





Der Sport sollte sich dem Doping einfach geschlagen geben. Offenbar ist doch jeder Profisportler in der einen oder anderen Form “gedopt”. Sei es durch legale oder illegale Präparate. Also wozu der Aufwand? Sollen die Sportler doch einnehmen, was sie wollen.
Hallo Holger, Du hast sicher Recht. Dann weiß wenigstens jeder, der Leistungssport macht sofort, worauf er sich einläßt. Die Allermeisten dopen sowieso, egal welches gesundheitliche Risiko.
[...] Weiterer guter Bericht zum Thema bei Peter Roskothen. [...]
[...] Die meisten Beobachter sind inzwischen ohnehin ernüchtert oder hinlänglich an Enttäuschungen gewöhnt. Manche freilich auch überrascht und auch persönlich enttäuscht. [↩]Die beiden Zielkriterien sind einerseits die Verabreichung von Substanzen, ohne daß deren Verabreichung bei Dopingkontrollen registriert wird, andererseits muß gewährleistet bleiben, daß die Athleten keine gesundheitlichen Folgeschäden davontragen. Dies ist fraglos stets eine schwierige Gratwanderung. [↩]Der Habitus kann verkürzt als Charakteristik der individuellen Persönlichkeitsstruktur verstanden werden. Innerhalb von Sozialisationsprozessen wird ein bestimmter Habitus von den Mitgliedern spezifischer Millieus erworben und inkorporiert; als psychische Disposition prägt er Wahrnehmung, Bewertung und Handeln. [↩]Dazu zählen keinesfalls nur Formen der illegitimen Leistungssteigerung; sämtliche Verhaltensweisen, die ein Spitzenathlet für sein Zurechtfinden im Sportumfeld benötigt [angefangen von Essgewohnheiten bis hin zum Umgang mit den Fans], werden sukzessive "erlernt", adaptiert und als Habitus inkorporiert. [↩]Einerseits Liebling, der sich feiern und hofieren läßt [der ebenfalls in Verruf geratene Ex-ARD-Sportchef Hagen Boßdorf schrieb sogar eine Jan-Ullrich-Biographie], andererseits einsilbige Pressekonferenzen und Argwohn, sobald sich kritische Stimmen erheben. [↩]Und auch andere Leistungseliten haben, wie man wissen kann, ihre Drogenproblematik; denn auch in den Vorstandsetagen von Start-Up-Unternehmen wird der Kokainkonsum des jungen Managers lediglich hinter vorgehaltener Hand, im Schutz der Hinterbühne also, thematisiert. [↩]Für die Bereiche des Breitensports oder insbesondere im Kinder- und Jugendbereich gelten andere Codierungen. Hier ist tatsächlich plausibel, daß die Freude an der Bewegung, das gemeinschaftliche Wetteifern, Kameradschaft und Fairness die zentralen Elemente sind. Am Beispiel Kinderleichtathletik werden diese sozialen Aspekte etwa [hier] von Fred Eberle skizziert. [↩]Der Umstand, daß die Sportverbände mit einer eigenen Sportgerichtsbarkeit über Regelverstöße befinden, resultiert aus der kaum herstellbaren Anschlußfähigkeit zum konventionellen Justizsystem. Die staatliche Justiz folgt der Unterscheidung Recht|Unrecht, die Sportgerichtsbarkeit bleibt der Eigenlogik Erfolg|Mißerfolg unterworfen. Anders sind die haarsträubenden Entscheidungen der letzten Jahre (siehe etwa den Fall Krabbe/Breuer in der Leichtathletik) kaum zu verstehen. [↩] [...]
Das Schlimme ist nur, dass der Laie jetzt meint, nur die bei Telekom hätten gedopt. In Wirklichkeit sind alle Mannschaften betroffen. In Italien geht gerade mal ein Drittel der EPO-Produktion in die Medizin. Der Rest in den freien Verkauf. Alles klar?
Genauso ist es nicht nur der Radsport. Schaut Euch mal unsere Langläufer an. Jahrelang in der Versenkung und auf einmal voll mit dabei! Soll das nur von gutem Training kommen?